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Liebe Besucher,
heute erzähle ich Ihnen von meinem ersten Ausflug nach Sotschi. Sotschi liegt am Fuß des Kaukasus, dreht man sich um, sieht man das Schwarze Meer. Abends kehren die Sportlichen mit ihren Booten zurück ans Ufer, die Sonne geht unter. Sie kennen das. Es wird gewartet, bis die Sonne wirklich nicht mehr zu sehen ist, dann rappelt sich alles auf.
Unsere Reisegruppe lernte sich auf dem Flughafen Schönefeld kennen. Nach einiger Zeit des Wartens bestiegen wir die Maschine, eine TU 134, mit der es drei Stunden nach Sotschi dauerte. In Deutschland hatte sich der Sommer noch nicht von der allerbesten Seite gezeigt, so daß es sehr angenehm war, in subtropischer Wärme aus dem Flieger zu steigen und vom Duft des gerade blühenden Oleander betört zu werden. Paßkontrolle, Fahrt zum Hotel, Zimmerbesichtigung, das Zimmer war bescheiden eingerichtet, was der Mensch so braucht war da, Bett, Tisch, Stuhl, Toilette, Dusche und sogar ein Balkon. Nachdem wir unsere Sachen abgestellt hatten, gingen wir zum Meer und badeten. Als wir zurück zum Hotel unterwegs waren, gab es Vorbereitungen für eine Freiluftdiskothek, auf der wir nach dem Umziehen anzüglich tanzten zu Boney M. und ABBA, manchmal paßte BUMP. Diese Art des Tanzens schienen die Leute dort nicht zu kennen. Ernährt habe ich mich während unseres Urlaubs von sehr viel, sehr gutem Moskauer Eis, meinem Lieblingseis, das es am Strand den ganzen Tag über zu kaufen gab. Das Frühstück bestand aus schwarzem leckerem Tee, einer Art Milchbrötchen mit Butter und Waldhonig sowie etwas Warmen, Würstchen, Käse, Saft und Kekse. Mittags gab es meistens ein Gericht aus Hammelfleisch mit Gemüse, Vospeise und Nachtisch, na ja. In Sotschi gab es keinen weißen Traumstrand, sondern Kiesstrand, aber man konnte sich in die wunderbarsten Wellen werfen, eigentlich nichts für Kleinkinder, aber was für große, herrlich. Sehr aufregend waren auch unsrere Bus-und Taxifahrten durch den Kaukasus. Auf dem Weg zu einem sehr tiefen klaren, dunkelblauen Bergsee, vorbei an den Bergen und durch die Berge, ohne Sicht auf eventuellen Gegenverkehr legte meine Freundin vor Angst ihren Kopf in meinen Schoß. Es funktionierte, wie auch woanders, nur mit Hupe. Sotschi hatte einen Zirkus, den wir besuchten, mir gefiel es, schöne Akrobatik und Reiternummern. Natürlich durfte die Besichtigung einer Teeplantage nicht fehlen. Wir fuhren in die Berge, himmlisch der Ausblick. Dann ging es zur Teeverkostung. Wir tranken ihn mit mit Honig, mit Fruchtgelee, köstlich. Als Andenken erhielt jeder Besucher ein Päckchen dieses wunderbaren Tees. Ich habe erst viele Jahre später in der Türkei wieder solchen Tee getrunken.
Sotschi ist viergeteilt, zwischen den Stadtteilen liegen viele Kilometer. Die Straße führt zwischen Strand und Meer am Kaukasus entlang bis nach Geogien. Der erste größere Ort heißt Gagra und hat einen sehenswerten Botanischen Garten.
Beim Braunwerden konnte man fast zusehen. Wir tummelten uns fast jedenTag am Strand, in den großen Wellen, auf der Mole, sahen den russischen Kindern beim Spielen zu und träumten in den Tag hinein bis zum Sonnenuntergang. Nachts regnete es meist, tagsüber war das schönste Sommerwetter. Vom Eis oder der Sonne hatte fast jeder aus unserer Gruppe einen Tag Ausfall, na Sie wissen schon diese Rache des M., hier handelte es sich jedoch nur um einen Tag, dann war es wie immer. Auch abends gingen wir oft zum Meer, es gab Stufen hinab zum Wasser, auf denen man auch sitzen konnte. Am späteren Abend verkosteten wir mehrmals russischen Sekt für damals drei bzw. fünf Rubel die Flasche, lecker, besonders der rote. Zu einer Tanzveranstaltung waren wir geladen, saurer Wein (kein trockner) und die Musikalität der Band war eigenartig. Aber wir befanden uns in der Krasnodarer Region und da wurde vielleicht schon alles asiatischer. Den Ausflug nach Suchumi machte ich nicht mit aus "Zeitgründen", das ärgert mich heute noch. Von da brachte sich eine Mitreisende eine Gitarre mit sieben Saiten als Andenken mit. Mit dieser Gitarre klingt die Musik bestimmt anders als wir es gewöhnt sind.
Das Schwarze Meer ist nicht so salzig und sehr angenehm. Die Winter sind kurz und mild, die Sommer warm, es gibt ganz selten Schnee und deshalb viele Fotos mit Schnee auf Palmen.
An den Abenden flanierte es sich ganz ausgezeichnet auf der Straße, die den Strand und das Meer von den Ortsteilen trennt. es waren fast alle unterwegs, von klein bis groß. Groß machte Pause an den Kwaßautomaten und ließ es sich schmecken. Das Getränk hat heut' einen anderen Namen, Brottrunk, ist aber genauso gesund. Man redete, traf sich, einfach so wie in den meisten wärmeren Ländern, das Leben spielt sich auch auf der Straße ab.
Die Zeit war zu kurz, alle wären gern noch geblieben. Das war meine erste große Reise 1980. Bis heute denke ich an diese Tage, wir waren jung und schön und voller Zukunft.
Gleich am ersten Abend wurden wir Gäste einer deutschstämmigen russischen Familie, die gern die deutsche Sprache hören wollten, sehr gastfreundlich und herzlich. Sie aßen erst spät zu Abend, wir mit ihnen, draußen war der Tisch reich gedenkt. Ins Hotel kamen wir zu spät, ohne es zu wissen. Irgendwie fanden wir dann doch einen Weg hinein.